Zwei Geburtstage, ein Tag:

100 Jahre Erika Elfert und 75 Jahre Wohnungsbauverein

Zur besseren Lesbarkeit beziehen sich Namensnennungen nicht auf die Bilder.

Ich bin hier geboren, in dieser Siedlung, und ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem so viel zusammen kam wie am 12. Juni. Erika Elfert wurde 100, unser Verein wird 75 – und irgendwie gehört beides ja zusammen, wenn man bedenkt, dass Erika eine der Gründerinnen war. Ohne sie würde es uns hier vielleicht gar nicht geben, jedenfalls nicht so, wie wir uns kennen.

Es war ein langer Tag. Um elf ging es los, mittags wurde es voller, ab drei kamen die ersten, die eigentlich wegen des Vereins da waren, und ab sechs war dann jeder eingeladen, der Lust hatte. Bis weit in die Nacht, hab ich gehört, manche bis in den Morgen. So einen Tag bekommt man nicht oft hin.

Der Vormittag gehörte Erika

Schon früh standen auf dem Gabentisch bei Erika erste Geschenke. Drumherum blühten die Rosen im Garten, als hätten sie extra für diesen Tag gewartet.

Im Festzelt war es dann schnell richtig voll. Wimpelketten unter dem Zeltdach, eine goldene „100“ als Ballon, und an der Steitenwand eine kleine Ausstellung – Fotos aus Erikas ganzem Leben, an Lichterketten aufgehängt wie an einer Wäscheleine, dazwischen Karten mit Jahreszahlen. 1926 steht da: „Erika erblickt das Licht der Welt.“ Und dann geht es weiter durch die Jahrzehnte, immer mit einem kleinen Seitenblick auf das, was in der großen Welt gerade passierte – die Olympischen Spiele 1936, der Mauerfall, irgendwann Pokémon Go. Ganz am Ende, bei 2026, steht: „Die beste Party des Jahres! Hier wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr.“ Da haben Viele mit sehr viel Liebe dran gearbeitet.

Den Höhepunkt des Vormittags hat aber, glaube ich, niemand kommen sehen: Erika war auf den Sozius des Trikes von Marko geklettert, vorsichtig angeschnallt, mit Decke über den Knien – und dann ging es los, einmal durch die Siedlung. Man sah ihr die Freude deutlich an, dieses fast kindliche Lachen, als der Motor ansprang. Hundert Jahre alt und dann sowas. Ich glaube, so manch einer von uns wäre froh, mit 70 noch so viel Elan zu haben.

Mittags wurde gegessen, geredet, gelacht

Zur Mittagszeit saßen wir dann alle an den langen Tischreihen im Zelt, unter dem Banner mit unserem Vereinslogo: „Wohnungsbauverein Siedlung Lebensfreude e.V., gegründet 1951 in Kopperpahl.“ Ich habe dieses Banner schon einige male gesehen, aber an diesem Tag hat es noch mal frischer gewirkt, irgendwie schwerer, bedeutungsvoller. 75 Jahre ist eine lange Zeit, und wenn man bedenkt, dass Erika von Anfang an dabei war, wird einem erst richtig klar, wie viel Geschichte in diesem kleinen Stück Land steckt. In einer Bewegenden Rede hat Jens Sörensen einen Blick in die Geschichte der Siedlung gewährt.

Der Stein kehrt zurück

Am späten Nachmittag sind wir alle zum Stein gezogen, zu unserem neuen Findling. Die meisten wissen es vielleicht noch: Der große Stein war jahrelang weg, einfach verschwunden, ohne dass irgendwer so genau sagen konnte, wann und wie. Ein stilles Loch in der Mitte der Siedlung. Vor ein paar Wochen ist er ersetzt worden, und an diesem Tag wurde er endlich auch wieder sichtbar gemacht – verhüllt mit einer Fahne, die dann von genau den beiden Leuten entfernt wurde, die die neue Bronzetafel gestiftet haben: Erika Elfert und Horst Engfert.

Und da prangt sie jetzt, glänzend: „Wohnungsbauverein Siedlung Lebensfreude e.V., seit 1951.“ Mit zwei kleinen provisorischen Schildern, auf denen die Namen der Stifter standen. Ich fand das einen der schönsten Momente des Tages – nicht laut, nicht groß inszeniert, aber voller Bedeutung. Ein Stein, der weg war und jetzt ersetzt wurde, mit den Namen zweier Menschen verbunden, die diese Siedlung seit Jahrzehnten mittragen.

Der Nachmittag wurde bunter

Nach und nach mischte sich alles – die, die wegen Erika gekommen waren, und die, die zum Vereinsjubiläum da waren, saßen plötzlich an denselben Tischen, tranken Kaffee, kamen ins Gespräch. Irgendwann hing über dem Zelt sogar eine Discokugel, ein kleiner Vorgeschmack auf den Abend.

Und dann wurde es ein Fest für alle

Ab sechs öffnete sich das Zelt für alle, die kommen wollten, und das haben offenbar einige getan. Es wurde voller, jünger, lauter – Aperol Spritz statt Sekt, eine Bar mit bunten Lichtern, der Grill lief auf Hochtouren, und überall liefen Kinder zwischen den Erwachsenen herum. Die Schlange am Würstchenstand wurde nicht kürzer, aber das hat an diesem Abend niemanden gestört.

Ich bin irgendwann nach Hause gegangen, andere sind geblieben, bis es hell wurde, hab ich später gehört. So ein Tag bleibt einem im Kopf – nicht wegen einer einzelnen Sache, sondern weil so viel zusammenkam: eine Hundertjährige im Beiwagen, ein Stein, der abhanden kam und ersetzt wurde, und eine Siedlung, die an einem einzigen Tag zeigen konnte, was sie eigentlich ist.

Mein Text überarbeitet von ChatGPT wieder nach geschärft und die Vertonung mit SUNO. Es wurde am Abend auch vom DJ gespielt.

Eine Auswahl, der Lieder, die beim Schaffensprozess herauskamen findet ihr hier .

Letztes Updated 24. Juni 2026